In Zeiten des Krieges verändert sich die Sprache der Menschen. Jedes einzelne Wort bekommt eine neue Bedeutung. Sprache konstruiert, wie wir die Welt wahrnehmen und kann somit auch gezielt für Meinungsmache und zu Propagandazwecken genutzt werden. Doch wie funktioniert das und wie kann man Kriegssprache von „normaler“ oder Friedenssprache unterscheiden?

Krieg verändert direkt die Beschreibung der Welt. Bezogen auf verschiedene Lagen, Situationen, Themen und Gegenstände. Die ein und selbe Sache wird plötzlich anders benannt, um damit eine bestimmte Wirkung zu erzielen und Propagandazwecke zu erfüllen. Vorsicht: Wer Kriegssprache benutzt, folgt den gängigen Regeln der Propaganda bewusst oder unbewusst. Schnell ist man in den sprachlichen Gepflogenheiten gefangen. Deshalb ist es ratsam, sich gewisse Redewendungen bewusst zu machen und auf ihre Intention zu prüfen.

Das Ziel von Kriegssprache ist immer: die positive Selbstdarstellung, die Schuldzuweisung zum Gegner und das Gewinnen von Unterstützern. Die Ziele der Kriegssprache dienen folglich ausschließlich den Zielen des Kriegs und der kriegstreibenden Macht.

(Unausgesprochene) Regeln der Kriegssprache

Niemand kann an Krieg und seinen Konsequenzen interessiert sein. Das Interesse liegt deshalb nicht am Krieg selbst, sondern allein an den politischen Zielen, deren Erfüllung man sich durch Krieg erhofft. Unterstützer der Kriegsziele nutzen deshalb eine gesonderte Sprache, die gewissen Regeln folgt:

  • Eigentlich ist der Krieg nicht gewollt.
  • Krieg wird als einzige Option dargestellt, von der man nicht gerne Gebrauch macht, aber keine andere Wahl hat.
  • Die Schuld daran, dass der Krieg die letztmögliche Option ist, trägt allein der Gegner.
  • Der Gegner wird grundsätzlich als boshaft und gewaltbereit dargestellt.
  • Es wird nur für eine gute Sache und nicht für eigennützige Ziele gekämpft.
  • Der Feind ist immer der Schuldige, man selbst tut nur das Nötige.
  • Wird der eigenen Kriegspartei eine Gräueltat vorgeworfen, war dies lediglich ein unabsichtlicher Fehler.
  • Nur der Feind ist es auch, der unerlaubte Waffen verwendet, nicht die eigene Armee.
  • Um Überlegenheit zu demonstrieren, werden eigene Verluste herabgespielt und die des Gegners aufgeputscht.
  • Als Kriegstreiber verfolgt man ein höheres, wünschenswertes Ziel. Hierfür gibt es oftmals auch Unterstützung von Intellektuellen, denen man zutraut, zu wissen was richtig und was falsch ist. Befürworten sie die kriegerischen Handlungen, rechtfertigt das den Krieg.
  • Je mehr Multiplikatoren den Krieg unterstützen, umso eher steigt der Krieg zur heiligen Mission auf, für die es sich lohnt einzustehen.
  • Aus eigenen Kreisen ist dieser Propagandamaschinerie nichts entgegenzusetzen. Wer sich gegen die Darstellungen ausspricht, hat selbst gesellschaftliche Sanktionen zu fürchten und wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Die Wortwahl ist ausschlaggebend

Schon kleinste Veränderungen der Wortwahl haben einen großen Einfluss auf die Wirkung des Gesagten, obwohl die Worte selbst keinen Einfluss auf das Geschehen haben. Denn Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung und wie wir die Welt sehen. Was für den einen „feige“ ist, kann ein anderer als „vorsichtig“ beschreiben. Was für die Kriegspartei A „innehalten“ bedeutet, sieht Kriegspartei B als „sich in Löchern verkriechen“ an. Wichtig ist dabei, dass es sich in beiden Fällen um dieselbe Vorgehensweise handelt.

Merkmale der Kriegssprache

Der Schweizer Psychologe Franz Hochstrasser spricht davon, Kriegssprache werde „verdinglicht“. Alles, was vorher emotional aufgeladen war, wird rationalisiert. Die „Bombe“ weckt erst einmal negative Assoziationen, die sich aber legen, je häufiger das Wort genutzt wird. Dabei spielt vor allem die Alltagssprache eine große Rolle. Werden hier viele Begriffe aus dem Kriegskontext für weit Harmloseres im Sinne der Kriegsideologie verwendet, verliert die Bedeutung im Kriegskontext an Intensität und wird normalisiert. Sprache wird „entfühlt“. Die Konsequenz ist eine „Militarisierung des Alltags“. Das hat eine Annäherung zum Krieg zur Folge und schafft eine individuelle Verbundenheit zum Militär. Ausgelöst durch die Sprache.

Den kostenlosen PDF-Download des Whitepapers zur Kriegssprache finden Sie hier.

 

 

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